Schlagwort-Archive: Depression

Outsider

Ich schleppe mich bergab. Ich brauche zwei Tage um wach zu werden, dann sprinte ich bergauf. Oben angekommen brauche ich zwei Marmeladengläser voll mit dem Geruch deines Shampoos, um einschlafen zu können. Ich fühle, wie ich nichts mehr fühle. Wenn die Trauer von Innen heraus kommt, kann nichts, absolut nichts von außen sie zerstören. Ich fange an zu begreifen, dass wenn wir von Liebe im heilsamen Sinne sprechen, nicht von der Liebe sprechen, die wir bekommen, sondern von der, die wir geben. Warum bin ich dann nicht gesund? Da ist doch ungemein viel, das ich lieben will. So viel. Ich will. Ich will. Ich will. Du musst mir das glauben.

Ich denke, die meisten wünschen sich irgendwann einmal in ihrem Leben, geliebt zu werden. Vielleicht von einer ganz bestimmten Person. Sicher habe ich mir das auch schon mal gewünscht. Aber mein größter Wunsch ist es, jemandem sagen können, dass ich ihn liebe. Es zu sagen, zu fühlen und es dem Nichts vorzuziehen. Der einzige Ort, an dem ich mir erlaube zu lieben, sind einsame Orte. Wo ich ein Marmeladenglas mit hinnehmen kann. Ganz so, als wäre mein größtes Geheimnis, dass ich überhaupt in der Lage dazu bin, Positives zu Empfinden. Irgendjemand verbietet es mir.

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Entflammte Herzen unter eingesperrten Monden

Ich sehe so oft ein Gitter vor meiner Nase. Dahinter erblicke ich den Mond inmitten eines purpurnen Himmels. Immer wenn ich dieses Gitter sehe, bin ich der Meinung, ich wäre eingesperrt, aber vielleicht bin ich das ja gar nicht. Vielleicht stehe ich auf der anderen Seite des Gitters. Vielleicht ist alles dahinter eingesperrt und ich bin frei. Vielleicht ist eingesperrt sein, nur eine Frage des Blickwinkels, immerhin sieht sogar der Mond von hier aus verriegelt aus, obwohl er nicht mal weiß was ein Käfig ist.
Aber eigentlich rede ich jetzt nur, um auf das stille Wasser dieser Nacht Wellen zu zaubern, denn stille Wasser sind nicht nur tief, sondern vor allem schwarz. Tiefgänge sind farblos und Taubheit muss wohl ein Gefühl sein, so ist es doch das einzige, was ich fühle. Ich habe keine Angst vor den wirklich gefährlichen Dingen, aber ich bin nicht mutig genug, um einsam zu sein. Und wenn ich dieses Gitter vor meiner Nase sehe, dann drehe ich mich um, steige auf mein Motorrad und fahre ohne Helm in die entgegengesetzte Richtung Richtung Freiheit. Ich stehe knöcheltief im tiefsten stillen Schwarz dieser Welt. Hier ertrinkt man nicht, man stirbt an einem verkohlten Herzen. Und ich schwöre dir, es ist hier drin gefangen, auch wenn es für dich nicht danach aussieht. Aber das ist nicht schlimm, denn ich bin so gestählt ich hatte nicht mal bemerkt, dass es verbrannt war.

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“Control can sometimes be an illusion. But sometimes you need illusions to gain control. Fantasy is an easy way to give meaning to world. To cloak our harsh reality with escapist comfort.”

50% Leben

Wenn jeder den Wert kennt, aber nicht den Preis den es gekostet hat. Wenn du nicht mehr sagen kannst, ob die Fußabdrücke auf deinem Herzen Fußspuren sind, oder der Nachhall von Fußtritten. Ob das Fahrtwind ist, oder freier Fall. Dann schreibst du einen Namen auf die Kugel, damit jeder weiß, wer dir als letztes durch den Kopf ging. Du schreibst einen Namen auf das Tuch, damit jeder weiß, wer dir die Luft zum Atmen nahm. Du schreibst einen Namen mit Blut auf die Wand, damit jeder weiß, wer dir das Leben ausgesaugt hat. Es gibt so viele Arten, auf die man sterben kann, aber das Jahr stirbt seit Anbeginn der Zeit immer wieder gleich. Und während ich daran denke, fährt eine Frau auf einem Fahrrad an mir vorbei und singt. Ich finde, Menschen singen zu wenig. Vielleicht gehöre ich bloß zu den wenigen, die solche Momente auch außerhalb von Hollywoodfilmen zaubrisch finden. Eigentlich verstehe ich kaum die Hälfte vom Leben. Eigentlich noch viel weniger. Denn wenn ich sage, ich verstehe nur die Hälfte des Lebens, dann nur deshalb, weil mein Leben zu 50% aus Trauer besteht. Das hört sich nach dem depressivsten Satz an, den ich seit Monaten formuliert habe, aber das stimmt nicht, wenn traurig die Superlative von meinem gut ist.
Und dann gibt es Menschen, die einen Namen singen, während sie auf dem Fahrrad sitzen. Menschen springen sogar aus Flugzeugen, weil sie sich lebendig und nicht tot fühlen wollen. Ist das zu fassen?
Es gibt sehr viele Arten, auf die man Leben kann, ich verstehe sie nur alle nicht.

Fall

Wie kann ein Mensch nur so viel fühlen, obwohl er nur halb lebendig ist? Ich will Trübsalblasen zerplatzen. Ich will keine Fassade so weich wie eine Muschelschale, und wenn doch, dann soll darunter wenigstens etwas Glitzern. Ich will glitzern. Ich will mich nicht mehr in der Hölle wärmen und an der Liebe verbrennen. Ich will mich retten. Wollen. Ich rieche die Vergangenheit in den Jahreszeiten. Ich falle jede Nacht durch den Meridian und flashbacke mich einsam. Dann geht die Sonne auf und lässt mein Herz in Flammen stehen. Also lache ich mich kalt. Und weine mich anschließend müde. Ich sehe mich satt und esse mich auf. Vielleicht bin ich noch nicht gestorben, aber ich habe mich schon viele Male begraben.

Hab ich eigentlich als letzter mitbekommen, dass Eminem von Machine Gun Kelly gedisst wurde? Haha.

I like studying faces in a parking lot cause it doesn’t remind me of anything.

Ich weiß gar nicht, ob mir schlecht ist, oder ob ich nur meinen Herzschlag in der Kehle vermerke. Vielleicht ekelt mich meine eigene Existenz an.
Ich habe keine Lust mehr, eine Ambivalenz zu sein. Ich habe so viele Meinungen, was die Welt betrifft, aber ich weiß nicht was ich will, wenn es um mich geht. Um meine Meinung durchzusetzen, würde ich wie ein Löwe kämpfen. Ich suche nie nach Kompromissen, ich will Gerechtigkeit. Aber für mich würde ich kein Blut vergießen. Ich lebe in keinem Krieg mit mir Selbst, so wie die Depression oft in lyrischen Abhandlungen beschrieben wird, denn das würde ja bedeuten, ich kämpfe. Das tue ich nicht. Stattdessen stehe ich hier. Werde zwischen Möglichkeiten erdrückt und von Kusshänden erwürgt.
Sagt mir nicht mehr, dass meine Texte schön wären. Denn das sind sie nicht. Hier sitzt kein Löwe und er schreibt keine Lyrik über Depression. Depressionen schreiben ihn. Glaubt ihr mir, dass ich mal Menschen zum Lachen bringen konnte? Das wäre doch etwas, wofür man kämpfen könnte. Aber ich trinke grade die Fanta Casis aus, die ich für meinen Sohn gekauft hatte und nur halb ausgetrunken wurde, als er vorhin zum Abendessen da war. Er wohnt nicht mehr hier. Und wenn ich ihn nicht zum lachen bringen kann, dann soll auch niemand anderes tun.

ENDE

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Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich Gänsehaut habe. Aber meine Knochen bersten unter meiner Haut und rammen ihre Reminiszenz-Splitter in meine Subcutis, jedes ein Bruchstück meiner Biographie. Und ich würde auch nicht sagen, dass ich mich dreckig fühle. Aber wenn ich meine Hand an die Wand legen würde, könnte ich darauf wie mit Kohle malen. Ich würde nicht mal sagen, dass es mir schlecht geht. Aber wenn da irgendwo eine phytische Tür wäre, ich würde sie durchschreiten. Völlig egal, ob mich dahinter eine Besenkammer, oder das Wunderland erwartet. Und wenn da irgendwo eine Treppe wäre, dessen Ende ich nicht ausmachen kann, dann würde ich da runtergehen. Weil ich verdammt nochmal ein Ende haben will. Diese scheiß Dunkelheit. Kann vielleicht mal einer das Licht an machen? Ich will das Ende sehen. Vielleicht ist dieses Licht von dem sie alle sprechen ja auch nur eine flackernde, gelblich leuchtende Glühbirne. Also bin ich wohl entweder tot, oder ich kann mir keine anständige Lampe leisten.

Warum sprechen nur alle von diesem Licht? Ich stelle mir den Tod sehr dunkel vor und das hat mich nie beängstigt. Dunkelheit bedeutet, da ist nichts, und das hat mich immer sehr beruhigt. Wozu sollte man etwas beenden, nur um dann direkt wieder in einem neuen Buch anzufangen? Mir steht so überhaupt nicht danach, die Wörter neu zu Würfeln, denn die Chancen stehen ziemlich gut, dass es nicht besser wird. Wie oft müsste man wohl so ein Buch schütteln, damit die Worte so stehen, dass man einigermaßen zufrieden wäre?
Wisst ihr, warum ich noch zufrieden mit diesem Leben bin? Weil Liebe mehr wiegt als Hass. Selbst auf diesem Blog beobachte ich, dass alle Einträge zum Thema Liebe mehr gelesen werden, als andere. Das macht mir nichts aus, ganz im Gegenteil. Das hilft mir dabei, noch an die Liebe zu glauben. Und solange ich glaube, habe ich wohl irgendwie einen Sinn. Auch wenn ich dich in deinem feinen Hemd nicht umarmen möchte, um es nicht zu beschmutzen, so würde es mir was ausmachen, wenn diese Tür sich hinter mir schließen würde, und anschließend nicht mehr wieder aufginge. Und wenn ich ein Ende will, dann muss es ja nicht unbedingt mit einer Glühbirne sein, es könnte auch mit dir sein. Das steht doch immer im Anschluss eines Märchens, oder etwa nicht?

ENDE

Das Schattenspiel des Wellenreiters

Ein Schatten an der Wand hat viele Gesichter, obwohl er kein Gesicht hat, und ein Gesicht kann so leer sein, obwohl es so dringend jemand sein will, und sich aufbegehrend der Sonne zuneigt. Wer sind wir, wenn nicht unsere Träume? Träume sind so mächtig, dabei kann man sie nicht mal anfassen. Träume sind wie Seelen. Manchmal denke ich, sie sind der Spirit Verstorbener. Ich sehe Schiffe von unten, obwohl ich Wellen von oben sehen will. Zwischen Ertrinken und Wellenreiten kämpfe ich für etwas, das ich nicht mal (be)greifen kann. Und nur ein Toter hat das Ende des Krieges gesehen.

Wenn wir eine Galaxie auf ein Din A4 Blatt zeichnen können, ist es dann so abwegig anzunehmen, sie könne auch in dieser Größe existieren? Vielleicht in unserem Herzen.

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