Zufälligunfair

grass

Ich bin hundemüde. Ohne Hund. Meine Gedanken schießen querfeldein auf einer Wiese ohne Blumen. Und ohne Hund. Wenn ich die Augen schließe, weil ich muss, dann sind da diese Bilder von getrockneten Grashalmen, die schon gar nicht mehr grün sind, aber trotzdem noch mitsamt Wurzel in der Erde stecken. Eigentlich ist das ein Sinnbild für mein Leben. Zwischen den Halmen erscheinen Gestalten – impulsartig öffne ich meine Augen und starre nach Draußen in einen Himmel, der die Sonne schon fast komplett in sich aufgenommen hat. Schlagartig sind die Bilder verschwunden. Angst ist der Wind auf einer Wiese voller Grashalme. Er wirft sie hin und her und ist dabei so zufällig unfair, doch auch ein Grashalm muss schlafen. Ich will nicht, dass mir jemand sagt, was ich zu tun habe, aber das Leben ist der größte Kontrollfreak von allen. Bedürfnisse sind Aufgaben und wenn ich sie nicht erledige, sterbe ich auf kurz oder lang, so sieht es aus.
Ich will das so nicht. Ich will auf einem Dachvorsprung sitzen und die Sonnenauf- und Untergänge wie Sekunden erleben. Ich will nicht schwach sein, aber das Leben ist unser größter Feind, keiner wird ihn jemals besiegen.

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14 Gedanken zu „Zufälligunfair

  1. smilane

    Wow …… das klingt nicht gut. Gar nicht gut. Das nimmt mir fast den Atem.
    Ich wünsche dir heute (und für viele folgende Tage) einen Sonnenaufgang im Herzen und in der Seele. Mal einen klaren strahlenden Sonnenaufgang und durchaus auch mal einen leicht bedeckten, aber immer einen Sonnenaufgang und einen lichten und von Farben durchfluteten Tag.

    Deine Art und Weise zu schreiben gefällt mir. Dafür würde ich den Button drücken, doch der Inhalt lässt es nicht zu.
    Sei von Herzen gegrüßt

    Gefällt 2 Personen

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  2. Isabelle Heart

    Bevor man ins Gras beißt, weil man am liebsten dem Gras beim Wachsen zusieht bis Gras über alles gewachsen ist, darf man nicht vergessen, dass Gras auch nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Manchmal scheint es, als würde da nie mehr Gras wachsen, aber mit der richtigen Stille kann man das Gras doch wachsen hören, wenn man nur gut genug lauscht.

    Ich hege ein halmliche Leidenschaft für Gras-Metaphern. Aber auch für deinen Text. Der ist nämlich sehr schön.

    Gefällt 5 Personen

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  3. Momfilou

    Der Zwang des Lebens ist grausam!
    Im Gras liegend in den Himmel schauen hat mir immer nur zu zweit oder mehr Spaß gemacht…
    Nur mein Rumwerkeln, basteln ohne Rast, hält mich aufrecht.
    Aber zuweilen guckt doch mal ein lieber Mensch zu mir rein und nicht nur die Aüotheker sind freundlich…

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  4. Belle de Jour

    Aber solange die Grashalme Wurzeln haben, kann die Angst sie nicht mit sich ziehen. Und auch der Wind wird einmal schwächer werden. Eine sanfte Brise wiegt das Gras in den Schlaf. Nun hat es Zeit zu wachsen und von Blumen zu träumen, die bald kommen werden.
    Wind ist keine Ruhe vor dem Sturm. Wind ist Veränderung und die einzige Konstante im Leben.

    Ein Zitat von Axel Prahl: „Das Leben ist dazu da, durchzuhalten und Probleme zu lösen.“
    Wenn man leidet, hört sich das nach einer schweren Aufgabe an.

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