Die Beerdigung der Zeit

Das ist der farbenprächtigste Winter in der dunkelsten Nacht. Das ist die wärmste Dunkelheit, die ich zu einem Seelenherbst je gesehen habe.
So schön bin ich noch nie gestorben.

Der Himmel ist königsblau. Lichter fließen durch Straßen, deren Asphalt von orangefarbenem Laub bedeckt ist. Zum ersten mal seit Jahren sind tote Blätter um diese Zeit nicht dunkel und matschig, sondern hell und zu Goldpigmenten zerfallen. Es ist warm, wir werfen uns in einen Mantel aus Sternstaub, ich bin eine Sternschnuppe, ein Wunsch der von dir durch die Stadt getragen wird. Ampelfarben beleuchten bunte Graffitiwalls, Lichter scheinen aus backsteinroten Tunneln heraus, über die langsam die Züge ruckeln. Die letzten grünen dichten Bäume werden Stolz von Straßenlaternen erhellt, Bartüren und Wohnfenster stehen sperrangelweit offen. Niemand fürchtet sich an diesem Montag, weil heute die Beerdigung der Zeit ist. Irgendwo lachen Menschen. Vielleicht bin das sogar ich, denn mein Herz hat schon lange nicht mehr so für das Leben geglüht wie heute.

Advertisements

3 Gedanken zu „Die Beerdigung der Zeit

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s