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What do normal people do when they get this sad?

Ich glaube Stille heilt mich nicht, also schreibe ich wieder.

Oh boy. Warum haben Geister den Ruf, Nachts herumzuspuken? Ich war nie einsamer, als Nachts und ich habe nirgendwo mehr Geister gesehen und gehört, als in dem Wasser, das vom Himmel fällt. Ich frage mich, wie lange ein Papierflieger durch strömenden Regen fliegen kann und überhaupt, warum Papier in dieser Welt wichtiger ist, als alles andere. Ohne Papiere ist man ein Geist.
In meinem Leben habe ich so oft versucht ein Vater zu sein. Seitdem ich das nicht mehr tue ist mir klar, dass ich das nicht nur für ein anderes Kind getan habe, sondern auch für mich.
Man verliebt sich nicht nur in Menschen, die man irgendwann vielleicht mal heiraten will. Man verliebt sich auch unglücklich in andere Mütter und Väter. Diese Sehnsucht liegt viel tiefer, als Romantik tauchen kann. Und jemand anderes will da nicht hintauchen. Dann geht es mir wieder meist so schlecht, dass ich mich mit dem Blick auf die Weihnachtsbeleuchtung frage, ob man sich wohl mit einer leuchtenden Lichterkette erhängen kann. Aber währenddessen halte ich den Papierflieger in der Hand, der eigentlich meine Bewilligung für die Therapie ist. Ich muss nur einen Termin vereinbaren und der Fußweg zu ihr beträgt nicht mal fünf Minuten.

Ich werde zu ihr gehen und reden, aber bis dahin gucke ich noch ein bisschen auf die Lichterkette und genieße die Stille, die mir auf so eine schöne Weise vom Tod erzählt, wie ich sie wohl niemals aufschreiben könnte.

Outsider

Ich schleppe mich bergab. Ich brauche zwei Tage um wach zu werden, dann sprinte ich bergauf. Oben angekommen brauche ich zwei Marmeladengläser voll mit dem Geruch deines Shampoos, um einschlafen zu können. Ich fühle, wie ich nichts mehr fühle. Wenn die Trauer von Innen heraus kommt, kann nichts, absolut nichts von außen sie zerstören. Ich fange an zu begreifen, dass wenn wir von Liebe im heilsamen Sinne sprechen, nicht von der Liebe sprechen, die wir bekommen, sondern von der, die wir geben. Warum bin ich dann nicht gesund? Da ist doch ungemein viel, das ich lieben will. So viel. Ich will. Ich will. Ich will. Du musst mir das glauben.

Ich denke, die meisten wünschen sich irgendwann einmal in ihrem Leben, geliebt zu werden. Vielleicht von einer ganz bestimmten Person. Sicher habe ich mir das auch schon mal gewünscht. Aber mein größter Wunsch ist es, jemandem sagen können, dass ich ihn liebe. Es zu sagen, zu fühlen und es dem Nichts vorzuziehen. Der einzige Ort, an dem ich mir erlaube zu lieben, sind einsame Orte. Wo ich ein Marmeladenglas mit hinnehmen kann. Ganz so, als wäre mein größtes Geheimnis, dass ich überhaupt in der Lage dazu bin, Positives zu Empfinden. Irgendjemand verbietet es mir.

Entflammte Herzen unter eingesperrten Monden

Ich sehe so oft ein Gitter vor meiner Nase. Dahinter erblicke ich den Mond inmitten eines purpurnen Himmels. Immer wenn ich dieses Gitter sehe, bin ich der Meinung, ich wäre eingesperrt, aber vielleicht bin ich das ja gar nicht. Vielleicht stehe ich auf der anderen Seite des Gitters. Vielleicht ist alles dahinter eingesperrt und ich bin frei. Vielleicht ist eingesperrt sein, nur eine Frage des Blickwinkels, immerhin sieht sogar der Mond von hier aus verriegelt aus, obwohl er nicht mal weiß was ein Käfig ist.
Aber eigentlich rede ich jetzt nur, um auf das stille Wasser dieser Nacht Wellen zu zaubern, denn stille Wasser sind nicht nur tief, sondern vor allem schwarz. Tiefgänge sind farblos und Taubheit muss wohl ein Gefühl sein, so ist es doch das einzige, was ich fühle. Ich habe keine Angst vor den wirklich gefährlichen Dingen, aber ich bin nicht mutig genug, um einsam zu sein. Und wenn ich dieses Gitter vor meiner Nase sehe, dann drehe ich mich um, steige auf mein Motorrad und fahre ohne Helm in die entgegengesetzte Richtung Richtung Freiheit. Ich stehe knöcheltief im tiefsten stillen Schwarz dieser Welt. Hier ertrinkt man nicht, man stirbt an einem verkohlten Herzen. Und ich schwöre dir, es ist hier drin gefangen, auch wenn es für dich nicht danach aussieht. Aber das ist nicht schlimm, denn ich bin so gestählt ich hatte nicht mal bemerkt, dass es verbrannt war.

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“Control can sometimes be an illusion. But sometimes you need illusions to gain control. Fantasy is an easy way to give meaning to world. To cloak our harsh reality with escapist comfort.”

Die Beerdigung der Zeit

Das ist der farbenprächtigste Winter in der dunkelsten Nacht. Das ist die wärmste Dunkelheit, die ich zu einem Seelenherbst je gesehen habe.
So schön bin ich noch nie gestorben.

Der Himmel ist königsblau. Lichter fließen durch Straßen, deren Asphalt von orangefarbenem Laub bedeckt ist. Zum ersten mal seit Jahren sind tote Blätter um diese Zeit nicht dunkel und matschig, sondern hell und zu Goldpigmenten zerfallen. Es ist warm, wir werfen uns in einen Mantel aus Sternstaub, ich bin eine Sternschnuppe, ein Wunsch der von dir durch die Stadt getragen wird. Ampelfarben beleuchten bunte Graffitiwalls, Lichter scheinen aus backsteinroten Tunneln heraus, über die langsam die Züge ruckeln. Die letzten grünen dichten Bäume werden Stolz von Straßenlaternen erhellt, Bartüren und Wohnfenster stehen sperrangelweit offen. Niemand fürchtet sich an diesem Montag, weil heute die Beerdigung der Zeit ist. Irgendwo lachen Menschen. Vielleicht bin das sogar ich, denn mein Herz hat schon lange nicht mehr so für das Leben geglüht wie heute.