Infra-Red Lips

Ich stelle Sachen an. Aber vor allem mit mir. Ich bin zu nachdenklich, um Serien zu gucken oder Musik zu hören, denn sie stören mich in meinem Verarbeitungsprozess. Doch manchmal lebe ich in einem Buch. Aber nicht mal um zu fliehen, denn manche Bücher sind viel echter als das Leben in der Realität, weil man dort kein Blatt vor den Mund nimmt. Ich nehme lieber deinen Mund vor meinen Mund. Ist das so schlimm? Ich glaube schon.

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Lass uns die Sonne suchen

Deine Augen sind in der Augustsonne am schönsten, vor rosa strahlenden Hauswänden. Während Pusteblumensamen sich über Abflüsse spreizen und über brennende Gehwegplatten tanzen. Ein Taubenschwarm fliegt über dich hinweg, der Federn wie bei einer Kissenschlacht schneien lässt, und dir wie durch einen Vorhang unsere neue Welt präsentiert. Ich habe noch nie solange am Stück einen blauen Himmel gesehen. Und mir fällt auf, dass das nicht wahr ist. Weil er in deinen Augen ist. Vielleicht ist das der heißeste Sommer, aber den längsten hatte ich mit dir. Und vielleicht… sollte unser Sommer endlich die Sonne finden.

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Nimm alles und gib nichts zurück.

Meersalzmandeln quietschen zwischen meinen Zähnen. Meine Hände sind klebrig vom Saft reifer Pfirsiche. Die Jolly Roger ist gehisst. Ich kämpfe mit einem zähen Baguette gegen Ungeheuer unerforschter Gedankenmeere und mein Kampfgebrüll übertönt die Echos meiner Gedankengänge. Nimm alles und gib nichts zurück! Nicht das kleinste Stück deiner Selbst.
Wenn du allein auf einem Schiff bist und nicht zusammen mit jemandem in einem Boot sitzt, dann bist du endlich allein genug, um alles zu hören. Jede Stimme. Und auch, um dich ihnen zu stellen.
Weil da niemand ist, der mit ansehen muss, wie du dabei fast ertrinkst.

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Und wenn ich nach Hause komme, dann wird das die beste Piratengeschichte, die du je gehört hast, das schwöre ich beim Klabautermann, Kamerad.

Die Wahrheit

Ich glaube, ich sollte etwas aussprechen. Die Wahrheit.

Manchmal fühle ich mich wie die Überreste von mir die es gäbe, wenn alle Flüssigkeit aus mir gewichen wäre. Alles Schlechte komprimiert. Wie eine getrocknete Frucht. Wie klein die Wahrheit ist und wie viel Raum sie doch einnehmen kann. Das was mir am meisten im Kopf herumgeht, spreche ich überhaupt nicht aus, ich versuche es seit jeher mit Stille zu töten. Das klappt nicht, denn einer stummen Wahrheit wird ein besonderer Rang zuteil, an der sich deine Person misst. Sie regiert, aber das akzeptiert man, solange man davon sowieso nicht viel spürt. Je weniger ich mich damit beschäftige, desto surrealer wird sie auch. Eigentlich ist sie nicht mal mehr sowas wie eine Erinnerung. Sie ist wie ein Traum, den ich längst vergessen habe.

Aber dann gibt es da diese Momente, in denen man sich mit einer übelkeitserregenden Intensität an ihn erinnert. Es schießt einem so jäh in den Sinn, wie Wasser in die Lungen. Das Leben ist eine See und Nachts ertrinke ich in dem Meer der kleinsten Wahrheit.

Ich hasse mich.

Skyquakes & Exorzistpills

Menschen ziehen an mir vorbei wie Blätter im Wind. Texte tun mir weh wenn sie zu wahr sind. Niemand braucht den Realtalk. Doch was bedeutet schon so ein Text? Die besten Texte sind jene, die wir nie zu Papier gebracht haben. Sie sind nicht mal für uns selber sichtbar, aber genau da gehe ich hin. In die Dunkelheit. Ich gehe dahin. Zu dem Text.

Dort, wo es keine Wörter gibt, nur Gemütszustände. Dort, wo Alkohol gefriert. Wo Nachts Züge über die Schienen schlittern, die sich anhören wie Kirchenchöre, wie Mistpuffer über einer schlafenden Stadt. Wo gewöhnliche Dinge aus dem Augenwinkel aussehen wie Menschen und Monster. Dort, wo mein Herz in Tinte getränkt wurde. Wo sich Zeit anders anfühlt. Dort, wo ich dein Gesicht gegen einen Sonnenaufgang eingetauscht habe. Wo fog guns mich erschießen. Dort bin ich, in meinem Herbstleben, mit meinem Herz, ein Klumpen aus gefrorener Tinte.
Ich bin nicht high, kann ich nicht sein, denn Menschen sind Monster. Die Drogen sind Exorzistpills und offenbaren mir die Dämonen der Menschen. Hier kehrt sich mein Innerstes nach außen. Wann habe ich endlich öfter einen Sonnenaufgang gesehen, als dein Gesicht vor dem Einschlafen? Was für ein Monster du auch erblickst wenn du mich ansiehst, in meinem Herzen ist ein gefrorener Text über einen Jungen, der ich irgendwann einmal war, und niemals geschrieben wird.